Saltar al contenido · Skip to content · Salta al contenuto · Zum Inhalt · Ir ao conteúdo · Przejdź do treści
Collage que representa a Saddam Husein, Gamal Abdel Nasser y Bachar al-Ássad.
Collage que representa a Saddam Husein, Gamal Abdel Nasser y Bachar al-Ássad.
Inhalt

Theorie

Ist der arabische Sozialismus tot?

Doch bevor wir in unserer Argumentation fortschreiten, ziemt es sich zudem zu definieren, was die arabischen Sozialismen umfassen.

Von Mortadha Ghaliounji17. Juni 202636 Min. Lesezeit

Vertiefte Lektüre

EINE IDEOLOGISCHE FAMILIE, KEIN EINHEITSMODELL

Von vornherein wird man den Gebrauch des Plurals bemerken, und zwar aufgrund einer unzweideutigen Feststellung: Es existiert nicht ein einheitlicher arabischer Sozialismus, sondern vielmehr eine Pluralität unterschiedlicher Modelle.

Gleichwohl lassen sich, ungeachtet ihrer doktrinären oder nationalen Divergenzen, die tiefen Ähnlichkeiten, die sie verbinden, nicht leugnen.

Erstens zeichneten sich diese Regime nahezu allesamt durch das Bestehen eines autoritären Staatsapparates aus, der gemeinhin um eine charismatische Führungsgestalt strukturiert war. Zweitens haben sie nachdrücklich dirigistische Wirtschaftsordnungen angenommen, die von sozialistischen Tendenzen durchdrungen waren, während sie zugleich zahlreiche grundlegende Beiträge des orthodoxen Marxismus zurückwiesen, namentlich das Paradigma des Klassenkampfes. Drittens lässt sich diesbezüglich eine modernisierende Neigung sowie eine eher säkulare Auffassung der Rolle der Religion gegenüber dem Staat beobachten.

Die Gesamtheit dieser Elemente konvergierte in einem als oberstes erachteten Imperativ, nämlich jenem der nationalen Emanzipation und der Vereinigung einer arabischen Nation, die als historische, politische und zivilisatorische Entität konzipiert war.

GESICHTER UND MATRIZEN DES ARABISCHEN SOZIALISMUS

In der Tat ist es hier von Bedeutung zu präzisieren, dass, wenn man von den arabischen Sozialismen spricht, mitnichten die Rede ist von den in die arabische Welt importierten sozialistischen Doktrinen (worunter insbesondere der Maoismus, der Leninismus, der Marxismus-Leninismus, der Trotzkismus oder auch der demokratische Sozialismus fielen), obgleich auch diese Strömungen ihrerseits über historische Bewegungen in der Region verfügten.

Es handelt sich vielmehr um sozialistische Doktrinen, die im Schoß der arabischen Welt selbst ausgearbeitet wurden.

Spricht man von den arabischen Sozialismen, kommen einem spontan zwei Begriffe in den Sinn, nämlich Nasser und die Ba'ath-Partei.

Und dies ist nicht zufällig: Beide bildeten die wesentlichen Matrizen des arabischen Sozialismus.

Die erste verkörperte dessen erste Erscheinungsform an der Macht in der Gesamtheit ihrer Grundzüge, während die zweite die strukturierteste, systematisierteste und ideologisch elaborierteste Form darstellte.

Nichtsdestoweniger lässt sich der arabische Sozialismus nicht auf diese einzige Figur und Formation reduzieren.

Es gilt ferner, die Dschamahirija Gaddafis zu erwähnen, die Nationale Befreiungsfront in Algerien, namentlich unter der Präsidentschaft Ahmed Ben Bellas, sowie, in gewissem Maße, bestimmte Fraktionen der Sozialistischen Destur-Partei in Tunesien.

Ebenso wie die arabischen sozialistischen Bewegungen sowohl im Jemen als auch im Sudan.

IDEEN VON HIER UND ANDERSWO: VON DER NAHDA BIS LENIN

Trotz alledem fügen sie sich in einen relativ gemeinsamen historischen Bezugsrahmen ein, wobei die meisten ihre Ursprünge in der Nahda (arabische Renaissance) schöpfen, einer Periode des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die in der arabischen Welt von einem intensiven intellektuellen, sprachlichen und kulturellen Brausen geprägt war, als Reaktion auf den Schock der europäischen Kolonisierung.

Diese kulturelle Revolution drückt sich namentlich in einer fortschreitenden Umgestaltung der arabischen Sprache aus, um die Kommunikation, den Journalismus sowie die wissenschaftliche und intellektuelle Produktion zu erleichtern.

Sie führt zur Herausbildung des modernen literarischen Arabisch (al-fusha), das sich allmählich im Maßstab der arabischen Welt als Referenzsprache für die Presse, die Literatur und das Unterrichtswesen durchsetzt.

In einem Raum, der überdies durch eine große dialektale Vielfalt (zuweilen gegenseitig unverständlich) zerstückelt ist, bildet diese Standardisierung eines der ersten Fundamente eines gemeinsamen kulturellen Bewusstseins.

Diese sprachliche Modernisierung geht zudem mit der Einfuhr und Übersetzung europäischer philosophischer und politischer Konzepte einher, wie etwa der sozialen Gerechtigkeit, des Klassenkampfes oder auch des Konstitutionalismus. Sie eröffnet auf diese Weise den Weg zu neuen Deutungsrastern der sozialen und politischen Welt.

In diesem Kontext entstehen ebenfalls mehrere sozialistische Empfindsamkeiten, weitergetragen durch große Zeitschriften wie Al-Muqtataf sowie durch intellektuelle Figuren wie den Ägypter Salama Moussa, namentlich durch sein 1913 veröffentlichtes Werk al-Ishtirakiyyah (Der Sozialismus).

Das Eindringen sozialistischer Ideen in die arabische Welt nimmt ab den 1920er Jahren eine neue Wendung.

Die Sowjetunion, nunmehr eine Macht auf der Suche nach internationalem Einfluss, übt einen wachsenden Einfluss auf mehrere intellektuelle und politische Figuren der arabischen Welt aus.

Dieser Einfluss setzt insbesondere ein mit dem 1917 von Lenin mitverfassten Manifest an die muslimischen Werktätigen Russlands und des Orients, das dazu beiträgt, ein erstes revolutionäres Deutungsraster in den kolonisierten und peripheren Räumen zu verbreiten, und zwar im Gefolge des Nichtübereinstimmens des Hussein-McMahon-Briefwechsels.

Er setzt sich Anfang der 1920er Jahre fort mit der Gründung der ersten sozialistischen Partei in Ägypten im Jahre 1921, sodann mit der Verbreitung von Lenins Werk Staat und Revolution im darauffolgenden Jahr. Während der gesamten 1920er und 1930er Jahre verstärkt sich diese Zirkulation dank der Übersetzungen der Schriften von Marx sowie der grundlegenden Texte des europäischen Sozialismus.

Hinzu tritt die Rolle einer arabischen Elite, die in Europa ausgebildet wurde oder mit ihr in Kontakt stand und die im Rahmen der antikolonialen Kämpfe in den europäischen sozialistischen Bewegungen oftmals politische Verbündete und theoretische Ressourcen findet, um die Emanzipation zu denken.

Gleichwohl beruht das, was die arabischen Sozialisten von den übrigen Strömungen der Linken unterscheidet, in ihrem ambivalenten, ja kritischen Verhältnis zu den Beiträgen des klassischen Marxismus.

WARUM ES KEIN MARXISMUS WAR?

Zunächst lässt sich eine Ablehnung des historischen Materialismus beobachten, insofern als sich der Marxismus im Gegensatz zum arabischen Sozialismus (der zutiefst durch eine nationalistische Matrix und durch die Erfahrung des Kolonialismus geformt war) eher in einer internationalistischen Tradition befindet.

Ebenso lehnen die arabischen Sozialisten in der Regel den Staatsatheismus und die völlige Distanzierung vom religiösen Faktum ab und bevorzugen im Gegenteil einen geschmeidigeren Ansatz, der auf der Glaubensfreiheit gründet. Viele unter ihnen erblicken im Islam den eigentlichen Ausdruck des Genius einer arabischen Zivilisation.

In dieser Perspektive haben mehrere Staatsführer den arabischen Sozialismus zu legitimieren gesucht, indem sie eine Kompatibilität, ja Affinität zwischen Islam und Sozialismus geltend machten. Diese Lesart ist namentlich bei Figuren wie Nasser und Bourguiba erkennbar, um nur diese zu nennen.

Zweitens ist die Ablehnung des Klassenkampfes besonders ausgeprägt.

Sie erklärt sich daraus, dass zahlreiche arabische Führer eine Lesart des politischen Konflikts bevorzugen, die nicht auf den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie zentriert ist, sondern auf den Zusammenstoß zwischen kolonisierten Völkern und imperialen Mächten.

In dieser Optik ist der hauptsächliche Gegensatz nicht sozialer, sondern nationaler Art, nämlich jener eines geeinten und solidarischen Volkes gegenüber dem kolonialen Feind.

Diese Auffassung findet sich beispielsweise bei Gaddafi, der die Vorherrschaft einer Klasse über eine andere als eine Form der Tyrannei deutet.

Schließlich erblicken die arabischen Sozialisten im Privateigentum kein Problem an sich. Im Gegensatz zu bestimmten marxistischen Traditionen zielen sie nicht notwendigerweise auf dessen Abschaffung ab, sondern eher auf dessen Regulierung im Dienste des kollektiven Interesses und der nationalen Entwicklung.

Schlussendlich, und dies ist zweifellos das entscheidendste Element, verfolgen sie nicht dieselbe Zielsetzung.

Der arabische Sozialismus zielt nicht auf die Errichtung des Kommunismus ab; er stellt sich vor allem als ein Instrument im Dienste der Entwicklung der arabischen Staaten dar. Es handelt sich vielmehr um ein politisches und ökonomisches Werkzeug als um eine starr fixierte ideologische Doktrin.

Aus eben diesem Grunde haben mehrere Denker und Führer des arabischen Sozialismus nicht gezögert, sich im Laufe der Zeit von einem strikt interventionistischen Sozialismus zu entfernen, um sich Formen des Marktsozialismus, ja zuweilen des Sozialliberalismus, anzunähern.

Um die Substanz des arabischen Sozialismus zu umreißen, beschränkt sich unsere Untersuchung hier auf die Physiognomien Nassers und des Ba'ath.

NASSER, DER PRAGMATIKER DES PANARABISMUS

Der erste fordert die Aufmerksamkeit heraus: Trotz seines volkstümlichen Eifers als Herold des Panarabismus erweist sich Nasser, an der Probe der Tatsachen, weit mehr als pragmatischer Mann der Tat denn als fanatischer Revolutionär.

Wenn seine Herkunftslage ihn den baathistischen Kadern (jenes aufsteigenden mittleren Bürgertums) ähneln lässt, so trennt ihn eine intellektuelle Kluft von ihnen.

Seine Jugend wurde keineswegs vom arabischen Nationalismus stricto sensu gewiegt, sondern von einem unbändigen ägyptischen Nationalismus, genährt aus den Quellen Mustafa Kamels und Tawfiq al-Hakims.

Diesem Substrat fügen sich eklektische Einflüsse hinzu, sei es die Philosophie der Aufklärung, der Kult der großen Führer der Geschichte, die antikolonialen Lektüren Gandhis sowie die sozialistischen Dogmen von der Strenge Marx' bis zur Kühnheit Lenins, bis hin zu den Randzonen des Trotzkismus.

Dem fügt sich schließlich die gedämpftere Prägung des britischen Labour-Reformismus hinzu.

Es ist zudem an den engen Verkehr zu erinnern, den Nasser eine Zeit lang mit der Bruderschaft der Muslimbrüder unterhielt.

Der markanteste Vorfall datiert vom Jahre 1947, als der künftige Raïs seine Unterwerfung durch einen Treueeid vor dem obersten Führer der Muslimbrüder, Hassan al-Banna, besiegelte.

Mag diese Annäherung auch strikt militärstrategischen Notwendigkeiten gehorcht haben (die Bruderschaft verfügte damals über einen im Sinai tätigen paramilitärischen Apparat), so bleibt das Ereignis nichtsdestoweniger ein kapitaler Meilenstein seines politischen Werdeganges.

So ist aus diesem Bündel sozialistischer Spekulationen, verbunden mit einer religiösen Atavismus und einem schroffen Nationalismus, jene Synthese hervorgegangen, die man später den nasseristischen arabischen Sozialismus nennen wird.

Zu diesem Gerüst tritt das Verdikt der gelebten Erfahrung hinzu.

In erster Linie verankert die Karriere im Heer und insbesondere die Schmach der Belagerung des Königspalastes im Jahre 1942 durch die britischen Kohorten in ihm die Vision einer ausgebluteten Monarchie, geschlagen mit Unwürdigkeit und unfähig, das Geschick Ägyptens zu tragen.

Diese keimhafte Demütigung nährt in ihm eine Feindseligkeit gegenüber dem Thron und vollendet in ihm die Reifung eines durchaus revolutionären Temperaments.

Gleichwohl ist es die Feuertaufe, der Krieg von 1948 in Palästina, die seine Vision der Region radikal verändert.

Sie entreißt Nasser seiner ägyptozentrischen Insularität und eröffnet ihm die Horizonte der arabischen Welt.

Das Schicksal des Vaterlandes erscheint ihm fortan untrennbar von jenem seiner Nachbarn, wobei sich die Region seinem Geist als ein organisches Ganzes aufdrängt.

Parallel dazu verwurzelt sich in ihm die Gewissheit, dass das Desaster des Krieges von 1948 keineswegs den Unzulänglichkeiten der Armee entspringt, sondern vielmehr der Pflichtwidrigkeit und Verkommenheit des Regimes.

Aus Palästina zurückgekehrt, gestärkt durch diese Gewissheiten, legt Nasser die Fundamente der Bewegung der Freien Offiziere.

Diese geheime Allianz wird den Staatsstreich vom 23. Juli 1952 anzetteln; diese Episode, die Nasser als Revolution bezeichnet, beendet die Monarchie und errichtet die Republik.

In einem ersten Schritt fällt die oberste Magistratur General Mohamed Naguib zu (der nur als Stellvertreter oder Sichtblende Nassers dient).

Nasser ist sich bewusst, dass Ägypten, um diesen Umsturz zu akzeptieren, eine totemhafte Gestalt erfordert, einen erprobten Kriegshelden, eher denn eine Junta anonymer Offiziere.

Rasch jedoch trennen unwiderrufliche Bruchlinien die beiden Männer.

Naguib wünscht sich zum Vertreter einer demokratischen und parlamentarischen Tradition zu machen, gestützt auf seine Vertrautheit mit der Wafd und der Bruderschaft der Muslimbrüder.

Im Gegensatz dazu befürworten Nasser und der Revolutionäre Kommandorat einen rettenden Autoritarismus (eine gerechte Diktatur), den sie für unerlässlich erachten zur raschen Durchführung der agrarischen und sozialen Reformen. Diese Vision führt zur Schaffung der Befreiungssammlung, die zur Einheitspartei erhoben wird.

Im Februar 1954 überschreitet Nasser den Rubikon und lässt Naguib festsetzen.

Die Kühnheit erweist sich indes als verfrüht, da die politischen Kräfte und die Massen sich mit eigentümlicher Eile mobilisieren.

Im Herzen des Rates selbst bricht Khalid Mohieddine die Reihen und entfaltet seine Panzer, um den alten General seinen Kerkermeistern zu entreißen und das Gespenst eines Bürgerkrieges in extremis abzuwenden.

Gleichwohl nutzt Nasser die Gelegenheit, sich zum Ministerpräsidenten zu machen, während der Staatsapparat sogleich eine gewaltige Verleumdungskampagne orchestriert und Naguib unter den Zügen eines kleinmütigen Greises malt, den Mächten der Reaktion ergeben.

Es ist das Attentat von Mansoura im Oktober 1954, das angeblich von der Bruderschaft der Muslimbrüder gegen die Person Nassers angezettelt wurde, das das Geschick des Präsidenten besiegelt. Der Konnivenz mit den Königsmördern bezichtigt, wird Naguib endgültig seiner Ämter enthoben und unter Hausarrest gestellt, womit das Feld für den nasseristischen Triumph freigegeben wird.

Von diesem Augenblick an sichert sich Nasser die Oberhand über die Gesamtheit des Staatsapparates.

Er konsolidiert die Errichtung eines tiefen militärischen Staates, in dem die Armee die administrativen Funktionen kolonisiert und sich eine regelrechte Parallelwirtschaft zueignet.

Indem er so verfährt, schmiedet er eine Beziehung, die sich in der Quasi-Gesamtheit der arabischen sozialistischen Regime wiederfinden wird, nämlich die organische Allianz zwischen dem militärischen Apparat und den Volksklassen.

Parallel dazu entwirft Nasser, unterstützt von Mohamed Heikal, seine eigene philosophische Architektur.

Er theoretisiert die Lage Ägyptens am Zusammenfluss dreier Pole (des afrikanischen, des islamischen und des arabischen) und postuliert, dass der arabische Schoß einen hochstrategischen Vorrang aufweist.

Für Nasser bildet dieser Pol eine eminent eroberbare Einflusssphäre, ein Expansionsgebiet für Ägypten, das kühn auf das Erlöschen der kolonialen Mächte setzt und den damals in Mesopotamien und Persien im Werden begriffenen prowestlichen Allianzen entgegenzuwirken sucht.

Wenn die Konferenz von Bandung 1955 die Grundlagen der Blockfreiheit legt, so bleibt der absolute Meisterstreich die Verstaatlichung des Suezkanals, denn die anfängliche militärische Niederlage verwandelt sich in einen strahlenden politischen Sieg gegenüber den kolonialen Mächten und Israel.

Nasser ist nicht mehr nur Herr Ägyptens; er erhebt sich in den Augen der dann gebannten arabischen Völker zum vorsehungsgemäßen "Raïs".

Es bleibt, dass diese ungeheure Statur, sosehr sie ihm gestattet, sich als geopolitischer Koloss in der arabischen Welt und in Afrika aufzudrängen, ihn zugleich dazu verdammt, zur Geisel der Mystifikation zu werden, die er selbst erbaut hat.

So bieten 1958, als Syrien vom Gespenst eines kommunistischen Staatsstreichs verfinstert wird, die syrischen Würdenträger und politischen Stäbe (insbesondere die Ba'ath-Partei) Nasser auf dem Silbertablett ein Projekt der unmittelbaren Vereinigung an.

Angesichts dieses Angebots erweist sich der Raïs indessen als äußerst umsichtig, wenn er auch der Auffassung ist, dass eine solche Architektur mindestens einen Lustrum institutioneller und sozialer Reifung erforderte.

Dennoch sieht sich Nasser, gedrängt vom fiebrigen Insistieren der syrischen Führer hinsichtlich der Dringlichkeit, dem Kommunismus einen Riegel vorzuschieben, und im Bewusstsein, dass die geringste Ablehnung als verheerender Verrat in den Augen der arabischen Völker gebrandmarkt würde, zu diesem Sprung ins Ungewisse gezwungen.

So errichtet er die Vereinigte Arabische Republik, flankiert von der Partei der Nationalen Union, einer neuen Einheitspartei, in deren Innerem sich die Ba'ath-Partei zu ihrer eigenen Auflösung entschließt, deren Führer sich erhofften, sich rasch die Leitung des neuen Parteiapparates anzueignen.

Es war ohne die Entschlossenheit des Raïs gerechnet: Nasser stößt darin unverzüglich jede Fraktion aus, die ihm nicht servil ergeben ist.

Die Wahlen vom Juli 1959 zeugen diesbezüglich davon, dass von insgesamt 9.445 Sitzen die karge Portion von kaum 250 Mandaten den Kandidaten des Ba'ath zufällt.

Parallel dazu weicht die anfängliche Euphorie in Damaskus, wo Nasser unter den Zügen eines neuen Saladin akklamiert wurde, einer bitteren Ernüchterung.

An die Stelle des erdachten föderalen Modells tritt ein wütend zentralistischer unitarischer Jakobinismus; Syrien sieht sich zum Rang einer untergeordneten Provinz der ägyptischen Macht herabgesetzt.

Sein wirtschaftliches Gewebe widersteht dem Dirigismus der Reformen nicht, insbesondere nicht der doktrinalen Wende von 1961, gekennzeichnet durch maßlose Verstaatlichungen, während sich der Repressionsapparat des Regimes versteift.

Am 28. September 1961 wird das Experiment brutal beendet: Eine Koalition syrischer Militärs und politischer Organisationen (an deren Spitze der Ba'ath steht) bricht jäh das Experiment durch einen Gewaltstreich und stellt die Souveränität Syriens wieder her.

Dieses Scheitern stürzt Nasser in die Bestürzung: Er sieht darin ein brennendes persönliches Versagen, erkennt darin aber vor allem das schädliche Werk einer Infiltration der reaktionären Kräfte.

Er beschließt sodann, das einzuleiten, was als "zweite Revolution" bezeichnet wird.

Diese beginnt 1962 mit einer radikalen Umgestaltung der Einheitspartei, die in Arabische Sozialistische Union umbenannt wird.

Fortan verzichtet diese neue politische Maschine, die die vorhergehende Organisation kennzeichnete, auf eine bloße Kaderpartei und strebt danach, die Massen unmittelbar zu rahmen.

Die Partei nimmt sodann die Umrisse der großen Massenparteien des kommunistischen Blocks an, gegliedert um das Modell der Avantgarde.

So eröffnet sich die Ära eines unnachgiebigen Staatssozialismus, diktiert durch Wellen massiver Verstaatlichungen, mit der Folge, dass ab 1965 die öffentliche Hand 85 % der industriellen Produktion erfasst und kontrolliert.

Gleichzeitig werden ausgedehnte Säuberungen gegen die als zum reaktionären Lager gehörig geltenden Organisationen orchestriert.

Selbst während die nasseristischen Fraktionen sich über die arabische Welt ausbreiten, weiht die Nationale Charta von 1962 den Anbruch eines "wissenschaftlichen Sozialismus". Der Doktrintext formalisiert das Prinzip der Einheit des Zwecks, was bedeutet, dass die politische Vereinigung nicht mehr undifferenziert ins Auge gefasst wird, sondern sich strikt auf die alleinigen arabischen Staaten beschränkt, die in denselben nationalen und sozialistischen Zwecken kommunizieren, womit faktisch jede Verschmelzung mit monarchischen Regimen oder antinasseristischen Bewegungen ausgeschlossen wird.

Der Sechstagekrieg löst eine neue Schockwelle aus; er versengt brutal das so erbittert errungene Ansehen des Raïs und bricht jäh den Schwung des arabischen Sozialismus.

Niedergeschlagen kommt Nasser dazu, feierlich seinen Rücktritt anzukündigen, ehe er angesichts des Aufbäumens und der Weigerung der massiv auf die Straße gegangenen Volksjubel eine unmittelbare Kehrtwende vollzieht.

Über diese Episode hinaus stürzt die Niederlage die Gesamtheit der arabischen Regime in eine schmerzliche Phase der Selbstkritik.

Nasser selbst sieht sich einer grausamen Evidenz gegenüber gestellt: Die Niederlage von 1948 kann nicht mehr bequem allein den Gebrechen einer verfallenen monarchischen Institution zugeschrieben werden.

In der durch diesen Rückfluss geschaffenen ideologischen Leere finden die marxistischen Strömungen einerseits und die islamistischen andererseits einen unverhofften Raum, um zu keimen.

Gleichzeitig verblasst in Palästina die alte jüdisch-arabische Konfrontation allmählich, um dem israelisch-palästinensischen Konflikt Platz zu machen, namentlich mit dem Aufkommen der PLO, was den Übergang von einem ethnischen Antagonismus zu zwei nunmehr entschieden nationalen Konzeptionen kennzeichnet.

Von diesem Augenblick an entschließt sich Nasser selbst, seine Haltung von ihrer messianischen Aufladung und ihrer revolutionären Romantik zu entkleiden.

Indem er nunmehr die Züge eines realistischen Staatsführers annimmt, zentriert er vorrangig seine Ambitionen auf den alleinigen ägyptischen Schoß.

Unter diesem pragmatischen Prisma unterschreibt er die Resolution 242 der UNO und bekräftigt damit die Formel eines territorialen Kompromisses im Gegenzug für den Frieden (ohne deshalb seiner Feindseligkeit gegenüber dem hebräischen Staat abzuschwören).

Während der ägyptische Militärapparat nach dem Desaster geduldig wiederaufgebaut wird, skizziert das Manifest von 1968 eine Entriegelung des politischen Systems und legt die Fundamente eines modernen Staates, der nunmehr auf den Geboten der Wissenschaft und der Autorität der Vernunft ruht.

Bei seinem Tode fällt die Präsidentschaft seinem Vizepräsidenten Anwar el-Sadat zu, der einleitet, was er als "Korrekturrevolution" bezeichnet.

Dieser Prozess erweist sich als ein methodisches Unterfangen der Entnasserisierung des ägyptischen Staates, eingeleitet durch eine Umgestaltung der Institutionen und die Inhaftierung der Barone, die Nasser nahestanden.

Als "gläubiger Präsident" proklamiert, orchestriert Sadat eine Annäherung an die Muslimbrüder und verfügt die Amnestie und die Freilassung mehrerer ihrer Militanten.

Auf doktrinaler Ebene weiht er den Rückzug auf das Ägyptische zum Nachteil des Panarabismus und löst Ägypten aus der sowjetischen Umlaufbahn, um es am amerikanischen Block auszurichten.

Dieser geopolitische Schwenk wird ab 1974 von der Infitah begleitet, einer Politik der relativen Liberalisierung der Wirtschaft.

Gestärkt durch das im Jom-Kippur-Krieg erworbene politische Guthaben, entfaltet er eine Verleumdungskampagne gegen das Andenken Nassers und schreibt der Überheblichkeit seines Mythos die unmittelbare Verantwortung für den Verlust des Sinai zu.

Indem er den Bruch vollendet, normalisiert er die Beziehungen zu Israel und löst 1978 die Überreste der sozialistischen Partei auf, um die Nationaldemokratische Partei zu gründen.

Obgleich seine Nachfolger Nasser später wieder in den Schoß des kollektiven Gedächtnisses eingegliedert haben, hinterlässt der Raïs eine ambivalente Nachwelt bei den Ägyptern und enthüllt einen Abgrund zwischen der wirklichen Komplexität des Staatsmannes und dem von der Zeitgeschichte verfestigten Bild.

DER BA'ATH, VOM IDEAL ZUR AUTOKRATIE

Was die zweite Matrix des arabischen Sozialismus, nämlich die Ba'ath-Partei, betrifft, so gehorcht ihre Geschichte einer anderen Genese.

Wenn sich ihre Gründer, gleich Nasser, von der arabischen kulturellen Ausstrahlung und den Schimmern der Nahda inspirieren lassen, so vollzieht sich ihr Erwachen zur panarabischen Ideologie insbesondere durch die Erfahrung ihrer Lehrjahre in Paris.

Dieses beispiellose konfessionelle Duo, das den orthodoxen Christen Michel Aflak und den Sunniten Salah al-Din al-Bitar verbindet, findet im Schoß der Union der Arabischen Studenten an der Sorbonne einen Raum kosmopolitischer Resonanz.

Der tägliche Kontakt mit ihren Kommilitonen aus anderen arabischen Ländern entreißt die beiden Männer einem strikten syrischen Partikularismus und bekehrt sie zum Universalismus des Arabismus.

In Paris saugen sie die Atmosphäre der marxistischen Einflusskreise auf und lassen sich gleichzeitig von der Mystik der deutschen Romantik und ihrer organischen Auffassung der Nation verführen.

Gleichwohl schlägt das Jahr 1936 die Stunde der Desillusionen: Der Sieg der Volksfront in Frankreich und die Weigerung Léon Blums, den Unabhängigkeitsvertrag Syriens zu ratifizieren, werden als Verrat erlebt.

Dieses Schisma drängt Aflak und Bitar, definitiv mit der europäischen Linken zu brechen, die sie fortan als wesensmäßig imperialistisch postulieren.

Gleichwohl lässt sich die Entstehung des Ba'ath nicht auf die alleinige Absicht seiner beiden Theoretiker reduzieren; sie ist auch die Folge der Verschmelzung vorbestehender panarabischer Parteien und Ligen in Syrien und im Irak.

Dies gilt jenseits des Euphrat für die Partei der Nationalen Brüderlichkeit (Hizb al-Ikha al-Watani), Drehpunkt des militärischen Putsches von 1941.

Michel Aflak wird dieser Aufstandsbewegung seinen Segen geben, die er in seinem eigenen Paradigma als die gerechte Rückeroberung der Macht durch das irakische Volk gegenüber der Illegitimität der den britischen Interessen ergebenen haschemitischen Dynastie konzipiert.

Der Staatsstreich von 1941 stellt im Übrigen die ursprüngliche Quelle eines der hartnäckigsten historiografischen Missverständnisse hinsichtlich des arabischen Sozialismus dar, jenes, das ihn missbräuchlich mit dem Faschismus gleichsetzt.

Es ist wahr, dass dieser Gewaltstreich, eingetreten auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, den strategischen Interessen der Achse opportun diente.

Die irakische Nationale Verteidigungsregierung zögerte im Übrigen nicht lange, sich gewisse faschistoide Attribute innerhalb ihrer staatlichen und parteilichen Strukturen anzueignen, wobei sie die Verbreitung totalitärer Manifeste tolerierte, an deren Spitze "Mein Kampf" stand.

Gleichwohl erfordert die wissenschaftliche Analyse, mit Präzision den grundlegend nutzbringenden und nicht ideologischen Charakter dieser Annäherung hervorzuheben.

Weit entfernt von einer authentischen Konvergenz, gehorchte diese vorübergehende Allianz der kalten Logik der Realpolitik, jener, derzufolge der Feind meines Feindes mein Freund ist.

Es handelte sich für diese Bewegungen darum, die Unterstützung Berlins und Roms zum alleinigen Zweck der Brechung der Kolonisierung zu instrumentalisieren.

Es bleibt, dass dieses Missverständnis sich auch aus der Bahn eines gewissen Zaki al-Arsouzi nährt.

Wenn es zutrifft, dass dieser innerhalb der Nationalistischen Aktionsliga militiert hatte (einer Organisation, deren Methoden und Ästhetik weitgehend Elemente von den europäischen Faschismen entlehnten), so lehnte er nichtsdestoweniger den Staatsstreich von 1941 im Irak kategorisch ab.

Überdies verwarf Arsouzi absolut das Dogma einer überlegenen Rasse; er konzipierte das Arabertum als von jedem ethnischen Determinismus befreit. Araber ist, wer die arabische Sprache handhabt und innig mit der Geschichte und dem Geist dieser Kultur kommuniziert.

Indem er parallel zu den Arbeiten Michel Aflaks und Bitars seine eigene Bewegung der Auferstehung (Ba'ath) errichtete, gründet sich die Partei im Gefolge des Zweiten Weltkrieges, im Jahre 1947, formell durch die Verschmelzung dieser konkurrierenden Kräfte.

Die endgültige Symbiose vollzieht sich ihrerseits im Jahre 1953 durch die Hinzufügung der Arabischen Sozialistischen Bewegung zur Ba'ath-Partei.

Diese organische Allianz haucht der jungen Formation einige Tausend hochaktive Militante ein.

Am Ende dieses zweiten Kongresses weiht die Organisation ihre doktrinäre Mauserung und nimmt offiziell den Titel der Arabischen Sozialistischen Ba'ath-Partei an.

Die anfängliche Verankerung des Ba'ath vollzieht sich in Syrien, wo er bereits bei den Wahlturnieren von 1954 ehrenwerte Stimmen verzeichnet.

Wie supra erwähnt, nimmt die Organisation aktiven Anteil am Gewaltstreich gegen die nasseristische Vormundschaft, deren erstickenden Zentralismus und autokratische Natur sie verwirft.

Die Partei bemächtigt sich endgültig der Zügel des Staates im März 1963 zugunsten eines Staatsstreichs. Das erste Kabinett, geleitet von Salah al-Din al-Bitar, weiht alsdann eine soziologische Wandlung: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes geht die Exekutive aus einem nahezu ausschließlich ländlichen Nährboden hervor.

Obgleich Bitar versucht, seine Reihen den nasseristischen Fraktionen zu öffnen, um das Gespenst eines Gegenputsches abzuwenden, zeigt sich, dass das tatsächliche Epizentrum der Macht den Schoß der zivilen Autoritäten (Bitar und Aflak) verlassen hat.

Der entscheidende Kern befindet sich nunmehr im Inneren eines klandestinen Sicherheitsapparates, des Geheimen Militärkomitees.

Letzteres hat das Heer unter dem Antrieb von Salah Jadid, Hafez al-Assad und Muhammad Umran methodisch unterwandert.

Dieses Militärkomitee verdrängt schließlich brutal die zivile Macht im Februar 1966 und bemächtigt sich gewaltsam der Kontrolle über das Zentralkomitee des Ba'ath.

Dieser Staatsstreich weiht ein irreversibles historisches Schisma der Partei zwischen einem militarisierten syrischen Zweig, dem "Neo-Baathismus", und einem irakischen Zweig, der die Zufluchtsstätte der ursprünglichen "alten Garde" geblieben ist.

Dieses Schisma von 1966 hat die unmittelbare Folge einer Polarisierung der Macht in Damaskus, die den radikalen Flügel von Salah Jadid der pragmatischen und militärischen Fraktion entgegenstellt, die von Hafez al-Assad verkörpert wird.

Der Zusammenstoß gipfelt im November 1970 anlässlich der "Berichtigungsbewegung" (Al-Haraka al-Tashihiyya), durch die Assad seinen Rivalen endgültig ausschaltet und sich die hegemoniale Kontrolle über den politischen Apparat und die Streitkräfte sichert.

Diese neo-baathistische Mauserung zieht sich indessen den Zorn der Gründerväter des Ba'ath zu.

Als ohnmächtige Zeugen der Verleugnung ihres Ideals prangern die ersten Denker der Bewegung ein Regime an, das keinerlei Verbindung mehr mit dem ursprünglichen Modell hat.

Sie geißeln die Errichtung eines wahrhaften Zustandes der Barbarei und das Aufkommen, unter dem Deckmantel des Sozialismus, einer räuberischen Staatsbourgeoisie.

Schwerwiegender noch beschuldigen sie die Macht, die Phasen der wirtschaftlichen Liberalisierung instrumentalisiert zu haben, um Vertraute an die Spitze der großen Privatunternehmen zu setzen, und zwar auf der Grundlage eigentlich stammesartiger und konfessioneller Logiken, im Gegensatz zum unnachgiebigen Säkularismus des ursprünglichen Ba'ath.

Für die alte Garde hat die panarabische Mystik aufgehört, der Horizont der syrischen Regierung zu sein, um nicht mehr als ein bloßes Instrument der sozialen Kontrolle und der inneren Legitimation zu sein.

Bemüht, seine Respektabilität zu festigen, bemüht sich der assadistische Neo-Baathismus nichtsdestoweniger nach dem Sechstagekrieg, seine Beziehungen zum ägyptischen Patron, Nasser, zu normalisieren, ehe er seine Hegemonie durch die Gründung der Progressiven Nationalen Front institutionalisiert. Diese Fassadenkoalition integriert die nasseristischen Kräfte und die arabische Linke und vollendet die Kooptierung jeglicher Opposition.

Was den irakischen Ba'ath betrifft, dessen Zweig ab 1952 legal aktiv ist, so erweist sich die Bahn ebenso chaotisch.

Wenn die Partei den nasseristischen Staatsstreich von 1963 unterstützt, so ist ihre Hochzeitsreise mit der Macht von kurzer Dauer; rasch verdrängt, wird die Formation Gegenstand einer virulenten Verteufelungskampagne.

Diese Episode wird sodann von ihren Widersachern als eine wahre Befreiung des Irak gegenüber der "kriminellen und atheistischen Baathisten-Bande" inszeniert, während die irakische Arabische Sozialistische Union prompt errichtet wird, um eine Alternative zum Ba'ath zu fördern.

Die Revanche vollzieht sich im Juli 1968. Zugunsten eines neuen Gewaltstreichs bemächtigt sich der Ba'ath endgültig der Hebel des Staates.

Ahmad Hassan al-Bakr gelangt zur Präsidentschaft, flankiert von Saddam Hussein als Vizepräsident. Dieser erweist sich von vornherein als die graue Eminenz des Regimes und orchestriert geduldig die Kontrolle der Sicherheitsstrukturen, ehe er seine totale Usurpation vollendet, indem er sich 1979 offiziell der Präsidentschaft bemächtigt.

Wenn er sich die unerschütterliche Unterstützung der orthodoxen Baathisten sichert, insbesondere durch die Errichtung eines großzügigen, durch die Erdölrente finanzierten Wohlfahrtsstaates, die Stärkung des Parteiapparates und eine schwungvolle Instrumentalisierung der panarabischen Imagination, legt Saddam Hussein gleichzeitig die Grundsteine einer erschreckenden autoritären Maschine.

Im Gegensatz zum syrischen Regime Assads erhält die Saddam'sche Macht eine wahre ideologische Hypertrophie aufrecht, verbunden mit einem Repressionsapparat von unerhörter Raffinesse.

Der Firnis des Regimes platzt jedoch unter dem Gewicht der militärischen Desaster.

Im Gefolge des Fiaskos des Iran-Krieges und sodann des Golfkrieges leitet das Regime eine wirtschaftliche Liberalisierung ein, um die Sanktionen zu überleben.

Die häufig festgehaltene Verleugnung tritt 1993 mit der Einleitung der "Glaubenskampagne" (Al-Hamla al-Imaniyya) ein.

Als vollendeter Bruch mit dem historischen Säkularismus des Ba'ath begünstigt diese religiöse staatliche Neuausrichtung eine erstaunliche Wiedervereinnahmung des Präsidenten durch die den islamistischen Bewegungen affiliierten Pressen.

Hinter den Kulissen erlischt der arabische Universalismus endgültig zugunsten einer Politik der stammesartigen und konfessionellen Abkehr, wobei die klanische Treuepflicht zuweilen notwendig wird.

Letztlich haben sich die beiden baathistischen Erfahrungen, die syrische und die irakische, dramatisch von ihrem theoretischen Modell abgewandt.

Die eminent emanzipatorischen Ideale des arabischen Sozialismus haben sich im Aufbau militärischer Autokratien verschlissen.

Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass Damaskus und Bagdad bis zuletzt Affinitäten mit dieser Ideologie bewahrt haben, indem sie diese abwechselnd als wirkmächtigen Vektor sozialer Modernisierung und zuweilen als mythologische Verkleidung ihrer Regime nutzten.

DIE ANDEREN NÄHRBÖDEN: GADDAFI, BEN BELLA UND DIE PERIPHERIEN DES MODELLS

Wir könnten gewiss die Avatare der verschiedenen arabischen sozialistischen Modelle ausführlich entfalten. Man könnte Gaddafi erwähnen, dessen Bahn von einem anfänglichen Nasserismus zu dem abzweigte, was zum Gaddafismus wurde, der sich angesichts der Feststellung des Scheiterns des Panarabismus und des arabischen Sozialismus zum Panafrikanismus umorientieren wird.

Ebenso könnte man die sozialistischen Reformen Ben Bellas in Algerien analysieren oder auch den Fall des Südjemen, wo die regierende Nationale Befreiungsfront von einem arabischen Nasserismus zu einem an der UdSSR ausgerichteten Marxismus-Leninismus glitt.

Nicht weniger des Interesses würdig erscheint Tunesien, wo der destourische Sozialismus, obgleich hauptsächlich der Bekräftigung einer Verkopplung zwischen dem Partikularismus und dem tunesischen Nationalismus gewidmet, nichtsdestoweniger Schauplatz ideologischer Auseinandersetzungen zwischen Nasseristen und Baathisten blieb.

Gleichwohl erweist es sich als noch anregender, zu untersuchen, was aus dieser politischen Familie in unseren Tagen geworden ist, und ihre Entwicklung im Gefolge des Arabischen Frühlings zu erkunden.

Diese Umwälzungen hätten in der Theorie diesen historischen Formationen, angesichts des Debakels der nationalistischen Regierungen mit sozialliberaler oder sozialdemokratischer Tendenz, eine zweite Chance einhauchen können.

WAS DAVON ÜBRIG BLEIBT: DER ARABISCHE SOZIALISMUS NACH DEM ARABISCHEN FRÜHLING

In Syrien hat zunächst der Sturz des Regimes von Baschar al-Assad am Ende eines langen und verheerenden Bürgerkrieges die Vernichtung der Repräsentation der arabischen Sozialismen besiegelt, materialisiert durch das reine und schlichte Verbot der Ba'ath-Partei und ihrer verbündeten Formationen.

Im Irak hat im unmittelbaren Gefolge der amerikanischen Invasion von 2003 die Ächtung der Ba'ath-Partei, verbunden mit der Institutionalisierung eines politischen Sektarismus, den Aufstieg der konfessionellen Kräfte zum Nachteil der traditionellen ideologischen Spaltungen herbeigeführt und das Verschwinden der arabischen sozialistischen Parteien von der politischen Bühne besiegelt.

Überall sonst haben die meisten dieser Bewegungen eine tiefe Unsichtbarmachung erlitten.

In Libyen hat sich zwar ab 2020 ein erneuter Schwung der kadhafistischen arabisch-sozialistischen Strömung abgezeichnet, getragen von den Kandidaturbestrebungen Saif al-Islam Gaddafis; gleichwohl haben dessen kürzliches Verschwinden und die Dürftigkeit der militärischen Mittel, über die er verfügte, rasch diesen Versuch in Ermangelung von Wahlen jeder ernsthaften Bedrohung entkleidet.

Es ist gewiss in Ägypten und Tunesien, dass der arabische Sozialismus nach den Frühlingsbewegungen seine fruchtbarsten Nährböden gefunden hat, und dies aus zwei kardinalen Gründen.

Einerseits waren diese Staaten am Vorabend ihrer jeweiligen Revolutionen nicht mehr von Anhängern des arabischen Sozialismus regiert; andererseits genossen diese Bewegungen dort eine historische und sedimentierte Entwicklung weit vor den Aufständen.

In Ägypten nährte sich diese Verankerung unmittelbar aus dem mächtigen mnemischen Erbe Nassers; in Tunesien stützte sie sich auf die kombinierte Vitalität der Studentenbewegung, des Gewerkschaftsapparates und auf das Erbe der Sozialistischen Destur-Partei.

In Ägypten zunächst, wenn die Nasseristen einwilligen, auf der Liste der Demokratischen Allianz für Ägypten unter Führung der Muslimbrüder zu erscheinen (auf der Grundlage einer Wahlrechnung und um das Gespenst der Konterrevolution abzuwenden), so muss festgestellt werden, dass sie sich prompt ernüchtert sehen.

Im Gefolge des Parlamentsskrutiniums marginalisiert die Bruderschaft die Nasseristen vollständig, die dann nur sechs Sitze wiegen, ja sieben, wenn man die orthodoxen Nasseristen hinzufügt, die die Koalition vor der Abstimmung angesichts der Hegemonie der Islamisten verlassen haben.

Die Muslimbrüder bemächtigen sich sodann der Gesamtheit der Vorsitze der parlamentarischen Kommissionen und sichern sich die ausschließliche Kontrolle über die Redaktion der neuen Verfassung.

Gleichwohl gelingt es den Nasseristen bei der Präsidentschaftswahl im Mai 2012, einen erstrangigen Kandidaten gegen Mohamed Morsi durchzusetzen; unter dem Banner Hamdeen Sabahis sammeln sie 20,7 % der Stimmen ein und verfehlen die Stichwahl nur um drei Prozentpunkte gegenüber dem von der Militärjunta geadelten Kandidaten.

Die Nasseristen, die bis dahin ihre ideologischen Divergenzen angesichts der Überbleibsel des Mubarak-Regimes zurückgestellt hatten, um die Einheit des revolutionären Flügels zu wahren, beunruhigen sich nunmehr über die "Brüderlichung" des Staatsapparates.

Sie tun sich zunehmend schwer, eine Revolution zu legitimieren, die sich zur islamischen Revolution zu verbiegen scheint.

Der Gnadenstoß tritt am 22. November 2012 ein mit der einseitigen Verkündung einer Verfassungserklärung durch Morsi.

Durch dieses Bruchdekret maßt sich der Präsident quasi absolute Befugnisse an, gewährt sich eine totale Immunität gegen jeden gerichtlichen Rechtsbehelf und panzert die Verfassunggebende Versammlung gegen jeden Auflösungsversuch.

Für die Nasseristen ist, wie für den Großteil der säkularen politischen Kräfte, alsdann die Maske gefallen.

Das Projekt der Muslimbrüder offenbart sich nunmehr in vollem Lichte, gespannt auf die Errichtung einer islamischen Republik. Als Reaktion schließen sich mehr als dreißig Parteien im Schoß der Ägyptischen Heilsfront zusammen, die 2013 ihre Unterstützung der Tamarod-Bewegung sowie dem Gewaltstreich vom 3. Juli 2013 unter Führung von General Abdel Fattah al-Sisi zukommen lassen wird.

General Sisi wird im Übrigen die Vorstellungswelt eines jeden meisterhaft zu instrumentalisieren wissen, und insbesondere jene der Nasseristen, die anfänglich in ihm die Verkörperung eines neuen Nasser erkennen.

Die nasseristischen Netzwerke reaktivieren alsdann die Ikonografie der Ära des Raïs zu seinem Vorteil, um den Einfluss der Bruderschaft zu durchkreuzen; in diesem Prisma wird der 3. Juli 2013 als eine vom Heer geschützte Volksrevolution konzeptualisiert, in vollkommener Resonanz mit dem historischen Präzedenzfall von 1952. El-Sisi versagt sich nicht, diese Parallele auszubeuten, und entlehnt eine souveränistische Rhetorik mit entschieden sozialen Akzenten.

Gleichwohl folgt die Desillusion rasch: Viele werden sich bewusst, dass, wenn sich der neue Herr Kairos die ästhetischen Umrisse des Nasserismus zueignet, er sich keineswegs dem arabischen Sozialismus anschließt und sich von ihm löst.

Von diesem Augenblick an spaltet sich die Strömung.

Ein Flügel entscheidet sich, den neuen Präsidenten der Republik im Namen des existenziellen Kampfes gegen die Muslimbrüder zu unterstützen, während ein anderer in die Opposition kippt.

Als Galionsfigur dieses Widerstandes tritt der Kandidat von 2012, Hamdeen Sabahi, 2014 erneut gegen Sisi an und behauptet, dass der Nasserismus sich nicht auf das Tragen der militärischen Uniform reduzieren lasse; er wird nur ein marginales Ergebnis von 3 % der Stimmen einfahren. In derselben Linie ist das Aufkommen des Abgeordneten Ahmed Tantawi zu verzeichnen, der zwischen 2015 und 2020 allein die nasseristische Opposition im Parlament verkörpert, ehe er bei der Wahlsequenz von 2024 endgültig vom politischen Leben ausgeschlossen wird.

In Tunesien erweist sich die Lage als merklich unterschiedlich.

In einem ersten Schritt hat die Sozialistische Destur-Partei das Aufkommen der arabischen sozialistischen Bewegungen systematisch behindert und ihnen untersagt, einen wahrhaften politischen Apparat zu erwerben.

Da das Regime diese ideologischen Vorstöße nicht mehr nachhaltig eindämmen konnte, hat es daraufhin die Schaffung von Satellitenparteien begünstigt, um darin die baathistischen, sozialistischen und nasseristischen Ideologien einzuschließen, die es zu kontrollieren bestrebt war.

Es handelt sich namentlich um die Partei der Volkseinheit (PUP) und die Demokratische Unionistische Union (UDU), die unter der Ära Ben Alis am Wahlspiel teilnahmen; gleichwohl scheiterten diese beiden Formationen daran, nach der Revolution den geringsten Sitz zu erringen.

Im Gegenteil sind es die klandestinen Bewegungen, hauptsächlich strukturiert im Schoß der mächtigen Tunesischen Allgemeinen Arbeitsunion (UGTT), der hegemonialen gewerkschaftlichen Kraft des Landes, sowie im studentischen Milieu, die im Gefolge der Revolution legale und parteiliche Formen annahmen.

Von diesem Augenblick an lassen sich mindestens drei Empfindsamkeiten des tunesischen arabischen Sozialismus identifizieren. Die erste, spezifisch nasseristischer Matrix, wird im Gefolge der Revolution durch die Echaab-Partei (Volksbewegung) verkörpert. Diese Formation hat sich im Gefolge der Bewegung der Nasseristischen Unionisten konstituiert, die selbst aus der Partei der Arabischen Nationalen Sammlung hervorgegangen ist, die 1981 Gaddafi nahestand.

In ihren ersten Existenzjahren verschmilzt die Partei mit einer Konstellation nasseristischer Fraktionen, um ihre Wahlverankerung zu stärken, die historisch im Süden Tunesiens angesiedelt ist.

Der zweite Ausdruck des arabischen Sozialismus in Tunesien ist baathistischer Natur.

Seine Genese fügt sich oft in das Herz der ursprünglichen Strukturen der Sozialistischen Destur-Partei ein, ehe seine Anhänger den Weg der Klandestinität wählen, um die Allgemeine Union der Tunesischen Studenten zu durchdringen, und sich eine Zeit lang an den Rändern der linken Bewegung Perspektives gliedern.

Nach dem revolutionären Erdbeben hatte sich diese Empfindsamkeit um zwei Hauptformationen zentriert, beide an die Orthodoxie der irakischen Fraktion gebunden.

In erster Linie hebt sich die Ba'ath-Bewegung unter dem Antrieb Othman Belhaj Amors hervor, der sich die Partei der Demokratischen Arabischen Avantgarde anschließt; letztere wusste, trotz einer ausgeprägten Affinität zur Linie Saddam Husseins, gleichwohl eine relative Offenheit gegenüber der syrischen Macht zu zeigen.

Gleichwohl, und im Gegensatz zum volkstümlichen Eifer, der weiterhin die nasseristischen Strömungen trug, blieben diese baathistischen Strukturen auf die Ränder der tunesischen politischen Szene beschränkt.

Die dritte Deklination des tunesischen arabischen Sozialismus erweist sich, ehrlich gesagt, als anfechtbarer und gliedert sich um den Marxismus-Leninismus, den die Vereinigte Partei der Demokratischen Patrioten verkörpert, die unter dem Akronym Watad oder Moupad bekannter ist.

Wenn die Voraussetzungen dieses Artikels darauf abzielten, das marxistisch-leninistische Dogma aus dem Schoß des arabischen Sozialismus stricto sensu auszuschließen, so bleibt die Bahn des Watad nichtsdestoweniger besonders aufschlussreich.

Wenn es zutrifft, dass ein überwiegender Teil seiner Ideologie aus exogenen Theorien hervorgeht, so entfaltet die Partei einen so wilden panarabischen Schwung und eine so schroffe Verbundenheit mit souveränistischen Doktrinen, dass es schwerfällt, sie nicht im Spiegel des sozialistischen Arabismus zu betrachten.

Diese doktrinäre Synthese wird von Figuren wie Chokri Belaïd getragen, dessen politisches Bewusstsein während seines Jurastudiums im baathistischen Irak geformt wurde.

Schwer erschüttert durch das Verdikt der Urnen bei den verfassunggebenden Wahlen von 2011, bei denen die karge Portion, die den nasseristischen Kräften und dem Watad zugeteilt wurde (die sich auf zwei beziehungsweise ein einziges Mandat zusammenfasste), ihre Marginalisierung besiegelte, begriffen diese verschiedenen Bewegungen die Notwendigkeit, ihre historischen Atomisierungen zu überwinden.

In dieser Optik ist im Ausgang des Jahres 2012 eine Volksfront entstanden, die darauf abzielte, die Kräfte der Linken zu föderieren.

Diese koalierte Architektur vollbrachte die Tour de Force, ein a priori heterogenes ideologisches Substrat zusammenzuballen, indem sie Nasseristen, Baathisten und Marxisten-Leninisten verband und sich die Tunesische Kommunistische Arbeiterpartei, eine ökologische Formation und mehrere Komponenten sozialdemokratischer oder demokratisch-sozialistischer Observanz hinzugesellte.

Unter der Führung von Chokri Belaïd, der zum Anführer dieser Sammlung erhoben wurde, bekräftigte sich die Koalition rasch als der schrillste Pol der Anfechtung des Übergangs, mit einer frontalen, theatralisierten und unbeugsamen Feindseligkeit gegenüber Ennahdha.

Die Ermordung Chokri Belaïds am 6. Februar 2013 war der Katalysator einer Legitimitätskrise für das Übergangsregime und löste augenblicklich gigantische Volksmobilisierungen im gesamten nationalen Hoheitsgebiet aus.

In dieser Konfiguration stellte sich die UGTT als eine wahre, den arabischen Sozialisten nahestehende Gegenmacht entgegen, fähig, den Zorn der Massen zu eskortieren und die Regierung zum sofortigen Rücktritt zu zwingen.

Nichtsdestoweniger erfolgt die Ersetzung der Exekutive durch ein neues Kabinett, das ebenfalls der Leitung Ennahdhas ergeben war.

Die Volksfront ihrerseits sah sich in eine neue Orientierungskrise gestürzt, aufgefordert, sich eine Führung neu zu erfinden, in jenem Augenblick, in dem die säkulare Formation Nidaa Tounes sich bereits anschickte, den anti-islamistischen Ressentiment der Mittelschichten zu ihrem ausschließlichen Nutzen zu instrumentalisieren.

In diesem Kontext entschied der Generalsekretär der Echaab, Mohamed Brahmi, angesichts des fortdauernden Zögerns der Echaab-Führung, sich endgültig in die Volksfront zu integrieren, sich 2013 abzuspalten, um den Volksstrom ins Leben zu rufen.

Die tunesischen arabischen Sozialisten erlebten gleichwohl eine neue Tragödie, als Brahmi seinerseits, kaum achtzehn Tage nach seinem Dissens, Opfer des islamistischen Terrorismus wurde, womit eine neue Welle ausgedehnter sozialer Bewegungen freigesetzt wurde, deren politische Rahmung und Kanalisierung die UGTT erneut historische Verantwortung übernahm.

Es ist schließlich unter dem Banner von Hamma Hammami, dem Anführer der Tunesischen Kommunistischen Arbeiterpartei, dass die Volksfront beschließt, sich am Präsidentschaftsrennen zu beteiligen.

Obgleich sein Ergebnis von 7,82 % die Grenzen des arabischen Sozialismus enthüllte, insbesondere in einem bipolaren Kontext, gelang es der Koalition, sich fünfzehn Sitze im Parlament anzueignen (ein Kapital, das sich virtuell auf achtzehn Mandate aufschwang, wenn man die drei Abgeordneten von Echaab hinzugesellte, wobei letztere die Wahl getroffen hatte, ihre Autonomie außerhalb der Allianz zu wahren).

So bekräftigte sie sich als die hauptsächliche Kraft der Opposition gegenüber der zwischen Nidaa Tounes und Ennahdha geknüpften Regierungskoalition.

Diese Haltung stieß indessen auf die Probe der Repräsentativität und auf die Unfähigkeit, eine klare Botschaft im öffentlichen Raum zu stabilisieren.

Untergraben von inneren Dissensionen, welche die gesellschaftlichen Belange berührten, sowie von zugespitzten Führungsrivalitäten, verschliss sich die Koalition in einer Spaltung, die die Anhänger Hammamis den Getreuen Mongi Rahouis, der aus dem Watad stammte, entgegenstellte.

Das Verdikt der Urnen sanktionierte grausam diese Uneinigkeit, indem es die Vertretung der Volksfront auf die karge Portion eines einzigen Sitzes (jenes Mongi Rahouis) reduzierte, während Echaab, kapitalisierend auf seine souveränistische Verankerung, einen bemerkenswerten Durchbruch vollzog, indem sie sich fünfzehn Mandate aneignete.

Gestärkt durch diese neue Legitimität, wird die Bewegung trotz der Weigerung Ennahdhas die kurzlebige Regierung einer Art präsidialer Mehrheit unter Führung von Elyes Fakhfakh integrieren und darin Versuche der sozialen Verbiegung der öffentlichen Politiken entfalten, ehe dieses Kabinett unter der Drohung eines von der parlamentarischen Mehrheit geschwungenen Misstrauensvotums zum Rücktritt gezwungen wurde.

Diese Krise der Wirksamkeit des tunesischen Übergangs fand ihren Epilog am 25. Juli 2021, als Präsident Kaïs Saïed den Ausnahmezustand proklamierte und das Parlament suspendierte.

Eine breite Mehrheit der arabisch-sozialistischen Strömungen, an deren Spitze Echaab, der Volksstrom und die Überreste des Watad standen, entschied sich, diesen außerordentlichen Maßnahmen ihren Segen zu erteilen.

Diese Entscheidung verwurzelt sich erstens in der Zurückweisung der nachrevolutionären institutionellen Ordnung durch die tunesische Gesellschaft, einer schädlichen Konfiguration, in deren Innerem die arabisch-sozialistischen Strömungen an die Peripherie der Macht verbannt und einer akuten politischen Gewalt ausgesetzt waren, deren Verantwortung unmittelbar der Leitung Ennahdhas zugeschrieben wurde.

Zweitens unterscheidet sich die Person des Präsidenten der Republik grundlegend von der mnemonischen und rein ästhetischen Instrumentalisierung, die el-Sisi an den Tag legte.

Der tunesische Präsident bezeugt eine organischere Zustimmung zu mehreren Drehpunkten des arabisch-sozialistischen Bezugsrahmens, sei es seine Auffassung der interventionistischen und regulatorischen Rolle des Staates in der Wirtschaft oder seine unitarische Vision der arabischen Nation.

Diese Tendenz zeigte sich offen anlässlich seines offiziellen Besuches in Ägypten 2021, als er bei einer Würdigung am Mausoleum von Gamal Abdel Nasser die Dauerhaftigkeit und Aktualität des nasseristischen Horizonts für den Gang Tunesiens proklamierte.

Gleichwohl entgeht dieser Diskurs, obgleich von einer entschieden revolutionären Vorstellungswelt durchdrungen, jeder ausschließlichen Zugehörigkeit; er entfaltet sich unter den Zügen eines weiteren Synkretismus, der seine Bezugnahmen erweitert, indem er das Erbe des sozialen Arabismus mit anderen intellektuellen und juristischen Traditionen hybridisiert.

In dieser Perspektive nahmen die arabisch-sozialistischen Formationen wahrscheinlich vorweg, dass die so eingeleitete Neugründung sich zum Vorteil ihrer eigenen politischen Familie wenden würde.

Obgleich der Text der neuen Verfassung in ihren Reihen Vorbehalte hervorgerufen hatte, entschieden sich die Echaab-Bewegung und der Volksstrom, ausdrücklich zur Stimmabgabe zugunsten des Projekts beim Referendumsskrutinium aufzurufen.

Diese Eingliederung in die neue Ordnung konkretisierte sich durch ihre aktive Teilnahme an den Parlamentswahlen von 2022-2023.

Trotz eines uninominalen Wahlmodus, der nunmehr die Parteietiketten untersagte, gelang es diesen Kräften, ihr parlamentarisches Gewicht zu bewahren (im Gegensatz zu den anderen politischen Kräften), indem sie etwa fünfzehn Sitze erlangten.

Sie sammelten sich im Schoß der ARP unter dem Banner des Blocks der Souveränen Nationalen Liga, der die aus den Bewegungen von Echaab und Watad hervorgegangenen Abgeordneten vereinte.

Gleichwohl ist die Dauerhaftigkeit dieses Blocks rasch an der Probe der Tatsachen abgeprallt.

Wenn der Watad seine Treue gegenüber dem Prozess formell aufrechterhielt, so provozierten die inneren Spannungen eine unwiderrufliche Spaltung und fragmentierten die Bewegung in zwei unterschiedliche Formationen, die denselben Namen tragen, eine entschieden loyalistische und eine andere (relativ) in der Opposition verankerte.

Parallel dazu manifestierte die Echaab-Bewegung eine fortschreitende Ernüchterung angesichts der Orientierungen der Macht.

Der Bruch zeichnete sich bei der Präsidentschaftswahl von 2024 ab, bei der die Kandidatur ihres Generalsekretärs nur eine karge Portion von 1,97 % der Stimmen einsammelte.

Diese Spannungen haben sich im Laufe des Jahres 2025 akzentuiert, verschärft durch die Spannungen zwischen der Regierung und der UGTT.

Dieser Konflikt versetzte die arabischen Sozialisten in eine unbequeme Haltung und machte die Schiedsrichterrolle zwischen der Treue zur Gewerkschaftszentrale und der Unterstützung des Staatsoberhauptes schmerzhaft.

Anlässlich der jüngsten Debatten rund um das Finanzgesetz von 2026 erscheint die Verankerung von Echaab in der Opposition nunmehr effektiv; die Partei greift sogar in mehreren Fällen das Register der Opposition wieder auf.

Die Partei bewahrt indessen einen abgewogenen und diplomatischen Tonfall und weigert sich, sich den von den Oppositionen orchestrierten Straßenmobilisierungen anzuschließen, um eher eine institutionelle Oppositionsstrategie zu bevorzugen.

Die ägyptischen und tunesischen Bahnen zeigen somit zwei unterschiedliche Überlebensmodalitäten des arabischen Sozialismus im Gefolge des Arabischen Frühlings.

DAUERHAFTIGKEITEN UND GRENZEN EINER IDEOLOGIE

Der arabische Sozialismus hat sich also, vom nasseristischen Ägypten zum baathistischen Irak, als einer der strukturiertesten Versuche der arabischen Welt aufgedrängt, eine ihr eigene Doktrin der nationalen Emanzipation hervorzubringen.

Weder orthodoxer Marxismus noch importierter Liberalismus, hat er eine originelle Synthese gebildet, zutiefst geprägt von der kolonialen Erfahrung, dem Vorrang der arabischen Einheit und dem staatlichen Voluntarismus.

Im Gefolge des Arabischen Frühlings bleiben die Erbformationen dieser Tradition, wenngleich marginalisiert, in Ägypten und Tunesien präsent, während in Syrien und im Irak die Ächtung des Ba'ath das institutionelle Kapitel dieser Geschichte materiell beschlossen hat.

Teilen

Für Instagram: Link kopieren und in deine Story oder DM einfügen.

Zum späteren Lesen

Weiter mit

Kommentare

Noch keine Kommentare. Eröffne du das Gespräch.

Melde dich an, um zu kommentieren. Anmelden